Berlin für Gruppen
Berlin für AlleAnkunft - Hamburg
Englische Übersetzung
aus dem Berliner Stadtmagazin Zitty Nr. 7/2004
80 Mal Danke Berlin
"Es gibt ein Wort, das man in Berlin leider viel zu selten hört: DANKE.
Dabei kann es mehr sein als nur ein Floskel. Deshalb nennen wir 80 gute Gründe, sich einfach mal zu bedanken.

  1. Danke Berlin. Für die Leere. Große Stadtbrachen und wüste Plätze machen Dich erst richtig schön. Dein Gesicht hat Sommersprossen.

  2. Danke für das Grün. In ein paar Wochen wissen wir endlich wieder, wie großartig all die Parks und Gärten sind, in denen wir uns dem Müßiggang hingeben können.

  3. Danke Petrus. Dafür, dass es in Berlin nicht so oft regnet wie zum Beispiel in Bochum. Und dass Du, wenn Du schon die Kanäle in diesem Jahr nicht schlittschuhtauglich zufrieren hast lassen, wenigstens bis März Schneeflocken schickst.

  4. Danke Café Buchwald. Für den großartigen Kuchen. Denn den gibt es so selten in Berlin. Das Café in Tiergarten verbindet Tradition (Konditorei seit 150 Jahren) und stressfreien Service. Komplett in Frauenhand, Spezialität Baumkuchen.

  5. Danke Sandra Maischberger. Dafür, dass Sie es anders machen als die Talk-Kollegen Beckmann und Kerner. Kein Schleim, keine Kumpeleien, kein peinliches Duzen. Kampf den TV-Schwiegersöhnen.

  6. Danke Busfahrer der Linie 384. Dafür, dass Sie am 5.Februar tatsächlich anhielten und zurückfuhren.

  7. Danke I Due Forni. Seit das Il Casolare eine Außenstelle in der Schönhauser Allee 12 eröffnet hat, muss man nicht mehr nach Kreuzberg fahren, um sich von ehrlichen Italo-Punks die beste Pizza der Stadt auftischen zu lassen.

  8. Danke Frank Castorf. Für die aberwitzigen, größenwahnsinnigen Inszenierungen über die man stundenlang streiten kann.

  9. Danke allen Männern, die mit ihren komischen Ponyfrisuren beweisen, dass man nicht jede Mode mitmachen sollte.

  10. Danke kleine Berlinier Filmverleihe: Basis, Delphi, Freunde der deutschen Kinemathek, GM Films, Neue Visionen, Peripher, Piffl, Salzgeber, Timebandits und X Verleih für viele gute Arthouse-Filme im Kino. Nicht zuletzt wegen Euch ist Berlin Kinostadt Nummer eins der Republik.

  11. Danke "No Näme Räkortz". Du bist ein winziger Laden in der Lenaustraße in Neukölln und es gibt bei Dir nur gebrauchte Platten und CDs. Aber auch schonmal Rabatte bei 20-Cent-LPs aus der Grabbelkiste. Weil es Deinen beiden Betreibern nicht ums Geschäft geht, sondern um die Kunden. Und um die Musik.

  12. Danke Dir, junger Kellner aus der Saphire Bar in der Hufelandstraße in Prenzlauer Berg, der Du bestimmt ein großartiger Klavierspieler bist, für Service und Catering.

  13. Danke Funny van Dannen. Für die Neudefinition des Begriffs Schlager.

  14. Danke schwule Autowerkstatt. Bei Guntram Sprenger in Prenzlauer Berg und Friedrichshain müssen die Kunden kein Macho-Fachwissen vortäuschen, um gut beraten zu werden. Hier darf man auch die peinlichsten Fragen zum PKW stellen.

  15. Danke Scheinbar-Varieté in der Monumentenstraße in Kreuzberg. Dein Theatersaal ist ein Wohnzimmer. Auf Deiner Kleinkunstbühne gibt es deshalb große Momente, weil hier niemand auf großen Star macht.

  16. Danke Peter Joseph Lenné. Für den Landwehrkanal, unseren kleinen Kreuzberger Lido. Und für die Sichtachsen ...

  17. Danke Butter Lindner in der Friedrichstraße. Für das beste Krustenbrot der Stadt.

  18. Danke Berlin. Für drei Boulevards mit Bodenhaftung: Friedrichstraße, Kudamm, Karl-Marx-Allee.

  19. Danke Hans Meyer. Für den Versuch.

  20. Danke Waldi. Für die Kutscherpfanne, den Ratsherrenteller und all die anderen Spezialitäten in Deiner Kantine im IHK Gebäude am Mehringdamm. Und wo wir schon dabei sind: Danke auch an Petra und Sabine. Niemand hebt so oft und so zuverlässig vegetarisches Essen, das in der Kantine leider oftmals Mangelware ist.

  21. Danke dem Ehepaar vom Tabakladen am Halleschen Ufer. Für die Freundlichkeit und gute Laune einmal am Tag.

  22. Danke Benjamin Lebert. Für die Berlin-Sätze in Deinem Buch "Der Vogel ist ein Rabe": "Es ist wahnsinnig dort. Die Stadt, ich weiß nicht. Es bewegt sich alles. Flirrt. Die Luft ist keine Luft. Sie enthält Goldstaub. Man atmet Goldstaub, hörst Du?".

  23. Danke Picker's Sportsbar im Bierpinsel in Steglitz. Für den besten Cheeseburger während der Champions-League-Übertragung.

  24. Danke Schummel. Für die besten Geschichten aus dem Berlin der 80er Jahre.

  25. Danke Stefan Rupp und Christoph Azone. Für den "Schönen Morgen". Eure Sendung auf Radio Eins ist neben dem Deutschlandradio das einzige, was man im Bad erträgt.

  26. Danke Bryan Adams. Für das Magazin "Zoo", das tatsächlich so schön und so weltoffen ist, wie Deine Musik niemals sein wird.

  27. Danke Berlin. Dafür, das bei Dir auch in 1000 Jahren der Karneval keine Chance haben wird.

  28. Danke Wladimir Kaminer. Für die Wiederentdeckung des Wortes "Knaller".

  29. Danke Frauen mit Bart und Socke in der Hose. Die Berliner Drag-King Szene entwickelt sich prächtig. Siehe www.dragkingdom.de.

  30. Danke Taxi-Würfelfunk. Für die unsagbar nette Telefonbegrüßung. An schlechten Tagen rufen wir einfach mal an, hören zu und legen wieder auf - ein Gute-Laune-Kurztrip.

  31. Danke Neco Celik. Für Deine Kreuzberg-Hommage-Filme, die man selbst in New York so sehr liebt.

  32. Danke Kältebus. Im strengen Berliner Winter erfrieren immer wieder Obdachlose. Wegen Dir sind es weniger.

  33. Danke Steinschlag. Für monatliche Gegenmeinungen zum städtebaulichen Bauklötze-Konsens. Gratis im öffentlichen Raum erhältlich.

  34. Danke Funkturm. Denn es gibt nichts Schöneres, als nach einer mehr oder minder langen Abwesenheit über die Avus wieder nach Berlin zu fahren - und plötzlich tauchst Du auf, einfach so, aus dem Nichts.

  35. Danke Oskar Melzer. Für den Club F.U.N. in der Chausseestraße.

  36. Danke allen Frauen und Männern in unserer Stadt, die altmodische Parfüms oder After Shaves benutzen.

  37. Danke Mutter, die sich in der U2 von Ihren Kindern die haare kämmmen ließ und so ganzen Wagen zum Lachen brachte.

  38. Danke den jungen Japanern, die im Ishin-Imbiss Sushi zu Currywurstpreisen verkaufen.

  39. Danke Festivalleiter Dieter Kosslick. Mit Ihrem Charme haben Sie der Berlinale neues Leben eingehaucht.

  40. Danke der Kiosk-Besitzerin am Bahnhof Zoo, die zitty in einer Kategorie mit "Spiegel", "Stern" und, nun ja, "Focus" platziert.

  41. Danke nachträglich dem Berliner Kurier. Für eine kompetent gemachte U-Bahn-Zeitung im Berliner Fenster. Erst jetzt wissen wir, dass es mit der B.Z. schlimmer geht.

  42. Danke dem Pferdeflüsterer Monty Roberts. Für das skurrilste Plakat des Jahres.

  43. Danke dem Supermarkt Ulrich im Bahnhof Zoo. Für seine freundliche Kassiererin und dafür, dass er sonntags geöffnet hat.

  44. Danke Holger und Marcus für Bungalow-Records.

  45. Danke dem Maximilian-Imbiss am U-Bahnhof Mehringdamm für das rot-braune Gewürz auf den Pommes.

  46. Danke Jutta Limbach. Dafür, dass Sie die BVG benutzen.

  47. Danke Radio Fritz. Dafür, dass Du nicht klingst wie Radio Eins.

  48. Danke dem Zeitungskiosk in der Bergmannstraße/Ecke Tempelhofer Berg, der nicht nur "de:bug" und "dummy" vorrätig hat, sondern letztens, als sich kurz vor Mitternacht plötzlich ein rasendes Bedürfnis nach dem Atlas der Globalisierung von "Le Monde Diplomatique" einstellte, dieses sofort befriedigen konnte.

  49. Danke Verleger Klaus Bittermann. Sie haben einen erfreulich erweiterten Begriff von gesellschaftlich relevanter Literatur und nehmen dabei sowohl große Missionen wie diverse Mikrokosmen in den Blick. Mit Ihrer "Edition Tiamat" pflegen sie Autoren wie Wiglaf Droste, Fanny Müller, Horst Tomayer, Mathias Wedel und Gerhard Henschel. Kritik und Humor gehören zusammen.

  50. Danke allen Freunden, Freundinnen, Kollegen, Eltern und Geschwistern, die da sind, wenn man Hilfe braucht. So ganz allgemein jetzt mal.

  51. Danke Ernst Reuter. Posthum für den schnellen öffentlichen Nahverkehr.

  52. Danke Daniel Haaksman. Für den Soundtrack der Nacht. Wer in Clubs ist, in denen Du auflegst, der hat beim Ausgehen alles richtig gemacht.

  53. Danke Wasserfreunde Spandau 04. Weil Ihr dafür sorgt, dass Berlin wenigstens in einer Sportart Weltformat hat.

  54. Danke den Krankenpflegern und -schwestern des Martin-Luther-Krankenhauses für die optimale Betreuung eines gebrochenen Arms samt an ihm baumelnder Patientin.

  55. Danke der Bademeisterin im Schwimmbad Fischerinsel, die die Bitte, die Radioberieselung auszuschalten, sofort erfüllte.

  56. Danke allen Coffee-To-Go-Shops für den leckeren Kaffee. Auch die, die sich lauthals darüber beschweren, dass ein Latte Machiato 2,80 kostet, verzichten garantiert gerne auf die Filterplörre von der Frittenbude.

  57. Danke Frank Black und Kim Deal. Weil Ihr Euch nach über zehn Jahren wieder versöhnt habt und im Juni mit Eurer Band The Pixies nach Berlin kommt, um ein paar der schönsten Popsongs aller Zeiten zu spielen.

  58. Danke Fußgänger. Weil ihr manchmal wartet, bis die Ampel grün wird, wenn ein kleines Kind neben Euch steht.

  59. Danke Kölner. Für die Popkomm. Und dafür, dass Ihr Euren als "Ringfest" getarnten Musikanten stadl bei Euch behaltet.

  60. Danke Bettina Gaus. Das geht also doch noch: Parlamentjournalismus von links.

  61. Danke CineStar am Potsdamer Platz. Weil man hier auch Filme in der Originalfassung sehen kann, die fürs Programmkino zu anspruchsvoll sind. School of Rock zum Beispiel. Und Filme, in denen Hugh Grant mitspielt.

  62. Danke Schlachtensee. Weil es kaum ein schöneres Ziel für einen Kurzurlaub am Sonntagnachmittag gibt.

  63. Danke für die Toleranz. In keiner anderen Stadt könnte man eine Jogginghose anziehen, sich ausversehen ein Milchglas darüber schütten und völlig unbelästigt und ohne einen Finger auf sich gerichtet zu sehen durch die Straßen laufen.

  64. Danke für die breiten Gehwege. Nicht nur, dass sie einem erlauben, bei Kopfsteinpflaster straßen mit dem Fahrrad auf den Gehweg auszuweichen, ohne zwingend mit Passanten zu kollidieren. Sie geben zugleich jeder noch so kleinen Straße etwas Erhabenes, Großes und auch der Gang zum Bäcker bekommt so immer etwas von Flanieren.

  65. Danke an die Eiszeit-Eisdiele in der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg. Deren Qualität ist kaum zu toppen, genau wie der immer freundliche Service der betreibenden Familie. Trotz der großen Staus im Sommer, die von den Jungmütterhorden der Gegend ausgelöst werden. Aber gutes Eis schmeckt eben allen, und das ist auch gut so.

  66. Danke für die nicht existente Sperrstunde. Müsste man in anderen Städten ab 2 Uhr in irgendwelche Clubs gehen, in denen Unterhaltung unmöglich, Getränke zu teuer und die Gäste dämlich und anstrengend sind, bestellt man hier einfach noch mal zwei und bleibt brav sitzen, wo es immer noch am schönsten ist: Am Tresen.

  67. Danke Domäne Kreuzberg am Halleschen Tor. Dein Möbel-Sortiment mag wirklich scheußlich sein, aber Dein Restaurant hat einen wunderschönen Ausblick über Kreuzberg 61. Und außerdem hast Du ein erstaunlich gutes Angebot an Keksen und sonstigen Leckereien (Manner-Waffeln aus Österreich!).

  68. Danke "Freitag", danke "Jungle World". Zwei Wochenzeitungen aus Berlin, die sich dem neoliberalem Mainstream widersetzen.

  69. Danke an den Flughafen Tegel. Bei aller Kritik an der Flughafensituation von Berlin: In keiner anderen Großstadt kann man so entspannt abfliegen und ankommen.

  70. Danke Richterin Eva-Maria Fischer. Sie haben Martin Semmelrogge, den notorischen Trinker am Steuer, für mehrere Monate von der Straße geholt. Definitiv ein Beitrag zur Verkehrssicherheit.

  71. Danke Dussmann. Merci. Grazie. Niergandwo sonst findet man so viele interessante CDs aus Frankreich und Italien.

  72. Danke Steffie Love. Für die überbordende Boshaftigkeit. In Ihrer Kolumne im Schwulenmagazin "Männer aktuell" findet Deutschlands TV-Prominenz keine Gnade: Costa Cordalis ("Musikalität eines Raucherbeins"), Max Schautzer ("aufgeplatzte Fleischwurst"), Jens Riewa ("ehemaliges erfolgloses Nichts aus der DDR"). Niemand sonst schreibt so abstoßend schön über Angela Merkels "hängende Lefzen". Tuntenbarock meets HipHop.

  73. Danke Rem Koolhaas. Für die niederländische Botschaft.

  74. Danke Pop-Duo Naomi. Mit dem Elektro-Album "Pappelallee" habt Ihr der Pappelallee ein angemessenes Denkmal gesetzt.

  75. Danke Christian Herz. Seit rund 15 Jahren kämpfen Sie und die "Kampagne gegen Wehrpflicht" in der einstigen Stadt der Wehrflüchtlinge gegen den ungerechten und überflüssigen Zwangsdienst.Ob Rot-Grün die Abschaffung bis 2006 noch hinkriegt?

  76. Danke Michael Ringel. Für die "Wahrheit"-Seite der "taz". Ohne die "Wahrheit" und ihre Autoren wäre das ehemals links-alternative Blatt gar nicht mehr lesbar.

  77. Danke Rhythym King and her friends. Die derezit interessanteste Frauenband Berlins macht feministische Politik tanzbar. Shock and Pants statt Hot Pants. Drumcomputer, Bass, Gitarre, Megafon - ihr Sound erinnert an die besten Zeiten der Talking Heads.

  78. Danke Familie Buchholz. Für das atemberaubende Fotobuch "Horst Buchholz - sein Leben in Bildern". Der schönste Mann der Welt wurde in Neukölln geboren und wuchs in Prenzlauer Berg auf.

  79. Danke an alle Berlinerinnen und Berliner, die diese Stadt so machen, wie sie ist: Lebenswert.

  80. Danke Berlin. Für alles.